Einführung

Drehen ist das Formen von Ton auf einer rotierenden Töpferscheibe. Hier nimmt dein Morgenbecher oder dein Essteller zum ersten Mal Gestalt an – der Moment, in dem formloser Ton etwas mit Zweck und Charakter wird. Es ist einer der sieben Schritte, in denen unsere Keramik entsteht.

Kurz zusammengefasst:

  • Drehen ist das Formen von Ton auf einer rotierenden Töpferscheibe
  • Vor dem Drehen ist eine sorgfältige Vorbereitung des Tons entscheidend
  • Der Ablauf umfasst Zentrieren, Öffnen, Hochziehen und Ausformen
  • Verschiedene Formen brauchen verschiedene Techniken und Werkzeuge
  • Drehen heißt ebenso sehr, den Ton zu spüren und ihm zuzuhören, wie Technik zu beherrschen

Vorbereitung: bevor sich die Scheibe dreht

Den richtigen Ton wählen

In unserem Studio wählen wir Steinzeug-Tone sorgfältig aus – nach der richtigen Balance aus Plastizität (wie leicht sich der Ton bewegt), Festigkeit und Brennverhalten. Verschiedene Stücke brauchen leicht unterschiedliche Tone: Becher brauchen einen Ton, der sich gut drehen lässt, aber fest genug ist, um Henkel zu tragen, während Teller von einem Ton mit geringerer Schwindung profitieren, damit sie sich nicht verziehen.

Wiegen und Schlagen

Gleichmäßigkeit ist beim Töpfern entscheidend. Wir wiegen jede Tonkugel genau ab – je nach geplantem Stück. Ein normaler Becher beginnt vielleicht mit 400 Gramm Ton, eine größere Schale kann 1200 Gramm oder mehr brauchen.

Nach dem Wiegen muss der Ton geschlagen werden – ein knetähnlicher Vorgang, der:

  • Luftblasen entfernt, die im Brennofen zu Rissen oder Platzen führen können
  • die Tonpartikel ausrichtet und so die Verarbeitung verbessert
  • eine gleichmäßige Konsistenz in der ganzen Kugel schafft

Meist nutzen wir das Spiralschlagen: Wir rollen den Ton in einer Spirale und drücken ihn dabei zusammen. Für ein einzelnes Stück schlagen wir den Ton 2 bis 5 Minuten – ein scheinbar kleiner Aufwand, der beim Drehen den ganzen Unterschied macht.

An der Scheibe: das Drehen

Zentrieren: die perfekte Balance finden

Das Zentrieren ist der entscheidende erste Schritt, mit dem viele Anfänger:innen kämpfen – und er bestimmt den Erfolg von allem, was folgt. Eine perfekt zentrierte Tonkugel dreht sich ohne Eiern und erlaubt symmetrische Formen und gleichmäßige Wände.

Dazu gehört:

  1. den Ton mit festem Druck auf dem Scheibenkopf zu befestigen
  2. den Ton zu befeuchten, um die Reibung zu verringern
  3. die Arme zur Stabilität am Körper abzustützen
  4. gleichmäßigen, kontrollierten Druck aufzubauen, während sich die Scheibe dreht
  5. den Ton allmählich in eine perfekte Rotation zu bringen

Das klingt einfach, verlangt aber ein Gespür für die Bewegung und den Widerstand des Tons. Richtig zentriert dreht sich der Ton, als stünde er still – die perfekte Drehachse ist gefunden.

Öffnen: die erste Vertiefung

Nach dem Zentrieren folgt das Öffnen – der erste Schritt, um aus einer massiven Tonkugel eine hohle Form zu machen. Mit Daumen oder Fingern drücken wir in die Mitte des rotierenden Tons, halten aber vor dem Boden inne, damit genug Ton für den Boden bleibt.

Die Breite dieser Öffnung bestimmt den anfänglichen Durchmesser des Bodens. Für einen Becher öffnen wir eher schmal, eine Schale braucht eine breitere Vertiefung.

Hochziehen: die Wände aufbauen

Jetzt kommt der bekannteste Teil des Drehens – das Hochziehen der Wände nach oben und außen. Mit den Fingern innen und außen am Ton üben wir sanften Druck aus, um die Wände dünner und höher zu ziehen.

Dieses Hochziehen verlangt:

  • gleichmäßigen Druck für eine einheitliche Wandstärke
  • kontrolliertes Tempo, damit nichts eiert oder zusammenfällt
  • Aufmerksamkeit für die Feuchtigkeit des Tons
  • Gespür für die Grenzen des Tons – wann es Zeit ist aufzuhören

Die meisten Formen brauchen mehrere Züge, mit denen wir die Wände nach und nach dünner und höher ziehen. Zwischen den Zügen verdichten wir oft den Rand, um Risse zu vermeiden und Stabilität zu geben.

Ausformen: die Form finden

Steht der Grundzylinder, formen wir die konkrete Gestalt aus. Hier kommt unser Gespür für Gestaltung ins Spiel:

  • Bei Bechern arbeiten wir eine leichte Rundung oder Verjüngung ein
  • Schalen brauchen ein behutsames Ausformen nach außen für anmutige Kurven
  • Teller brauchen methodisches Verdichten und Flachziehen

Dabei nutzen wir verschiedene Werkzeuge – Holzrippen zum Glätten der Oberfläche, Metallrippen für klare Kanten und unsere Finger für feine Details und Texturen.

Verfeinern: die letzten Handgriffe

Bevor wir das Stück von der Scheibe nehmen, verfeinern wir die Form:

  • wir säubern den Übergang zwischen Wand und Boden
  • wir glätten den Rand mit einem feuchten Schwamm oder Leder
  • wir setzen gedrehte Details wie Fußringe oder Zierrillen

Der geübte Griff: Was Handgedrehtes anders macht

Was unsere handgedrehte Keramik von maschineller Ware unterscheidet, ist nicht nur der Prozess – es ist das Feingefühl und die Reaktionsfähigkeit, die in der Handarbeit stecken.

Beim Drehen machen wir ständig kleinste Anpassungen, je nachdem:

  • wie sich der Ton unter unseren Fingern anfühlt
  • welches Geräusch er macht, während sich die Scheibe dreht
  • was Form und Wandstärke uns optisch verraten
  • wie sich das Stück beim Trocknen und Brennen erfahrungsgemäß verändert

Diese feinen Anpassungen schaffen Stücke mit:

  • gewollter Abweichung, die die menschliche Hand zeigt
  • ergonomischen Details, die die Massenproduktion übersieht
  • ausgewogenen Proportionen aus gestalterischem Urteil
  • durchdachten Details wie der perfekten Kurve, wo der Daumen am Becher ruht

Typische Herausforderungen – und wie wir sie lösen

Wenn der Ton zu nass wird

Ton kann beim Drehen schnell zu viel Wasser aufnehmen und wird dann weich und schwer zu führen. Wenn das passiert:

  • nutzen wir vorsichtig eine Heißluftpistole, um überschüssige Feuchtigkeit zu entfernen
  • machen wir Pausen, damit das Stück etwas fester wird
  • arbeiten wir mit Techniken, die möglichst wenig Wasser einbringen

Gleichmäßige Wandstärke halten

Ungleichmäßige Wände führen beim Trocknen und Brennen zu Problemen. Für Gleichmäßigkeit sorgen wir, indem wir:

  • mit einem Tasterzirkel die Wandstärke an mehreren Stellen prüfen
  • in den Fingern ein Gespür für feine Unterschiede entwickeln
  • gezielte Züge ansetzen, um dickere Stellen auszugleichen

Große Formen und ihre Stabilität

Größere Stücke sind eine besondere Herausforderung, weil sie eher zusammenfallen. Bei ihnen:

  • drehen wir in Etappen und lassen den unteren Teil fester werden, bevor wir Höhe aufbauen
  • nutzen wir stützende Werkzeuge während des Drehens
  • arbeiten wir langsamer und bewusster, um die Kontrolle zu behalten

Aus unseren Händen in deine

Jedes gedrehte Stück in unserer Kollektion hat Zeit zwischen unseren Händen verbracht, einzeln geformt, mit Blick auf Funktion und Schönheit. Die tausenden Stunden an der Scheibe stecken in Stücken, die:

  • gut in der Hand liegen
  • ihre Funktion mit Leichtigkeit erfüllen
  • die feinen Spuren ihrer handgemachten Herkunft tragen
  • dich mit einer uralten Handwerkstradition verbinden

Wenn du das nächste Mal einen unserer Becher oder eine unserer Schalen in die Hand nimmst, fahr mit den Fingern über die Oberfläche und spür die Reise, die darin steckt – vom Klumpen Ton zur zentrierten Form, hochgezogen und ausgeformt auf der Scheibe, bevor der nächste wichtige Schritt folgt: das Abdrehen.

Drehen kannst du auch selbst lernen – wir geben Töpferkurse in unserem Frankfurter Studio.

Wie geht es weiter?

Nach dem Drehen ruhen unsere Stücke, bis sie die richtige Feuchtigkeit zum Abdrehen erreicht haben. Im nächsten Beitrag zeigen wir, wie das Abdrehen aus diesen rohen Formen verfeinerte Stücke macht – mit eleganten Details und perfekter Balance.

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